Mondatlas

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Beschreibung einiger Formationen

Diese Beschreibungen werden durch Abbildungen ergänzt. Es sind ausgewählte Bildausschnitte von Fotos aus meinem Mondatlas. Zu dem verlinkten Originalfoto aus dem Mondatlas gelangt man durch Anklicken der jeweiligen Abbildung.




Catenae, Kraterketten auf dem Mond:

Krater bilden auf dem Mond die zahlenmäßig größte Klasse der Oberflächenstrukturen des Mondes. Wenn kleine und sehr kleine Krater linear angeordnet sind, spricht man von Kraterketten (Catenae). Diese Catenae wurden früher zwar beobachtet, aber nicht als Kraterkette als solche erkannt und bezeichnet.

Zur Beschreibung des geschichtlichen Werteganges beziehe ich mich nachfolgend auf Catena Davy.
Eine historisch wertvolle Mondkarte fertigte auf Basis gründlicher Beobachtungen Wilhelm Gotthelf Lohrmann (geboren 1796 in Dresden, gestorben bereits 1840). Er zeichnete sehr gewissenhaft die Mondoberfläche an einem Fernrohr von Frauenhofer mit 122 mm Öffnung und 195 cm Brennweite. Auf dem Blatt Sektion VIII von insgesamt 25 Sektionen ist Davy gezeichnet und benannt. Die kleinen Krater dieser Catena Davy sind aber auf diesem Blatt nicht zu finden. Es könnte sein, dass Lohrmann zwar diese Krater beobachtet hat, gezeichnet wurden aber nur Details, die er gesichert gesehen hatte.

Johann Nepomuk Krieger (1865 bis 1902) war Zeichner und Selenograph. Er zeichnete Mondkarten nach fotografischen Negativen. Auf dem Blatt 63 hat er Krater Davy und einige kleine Krater mit einer Linie verbunden gezeichnet. Dies ist eindeutig die Catena, aber er hatte diese nicht als spezifische Oberflächenform gekannt.

Den ebenfalls sehr wertvollen gezeichneten Mondatlas von Antonin Rükl (1932 bis 2016) gibt es in verschiedenen Ausführungen. Dort werden Krater Davy und die Catena Davy genannt und dargestellt. Nur im Taschenatlas (ebenfalls Artia Verlag) sind die Abbildungen verkleinert und daher weniger detailreich.

Oft fehlt bei den Bezeichnungen eine einheitliche Systematik geschuldet an den historischen Überlieferungen. Infolge einer Vereinbarung der IAU werden nun die Kraterketten beginnend mit Catena und dem nachfolgenden Namen des naheliegenden Kraters bezeichnet. Es gibt auf anderen Himmelskörpern ebenfalls Kraterketten. Diese werden entsprechend IAU z. B. auf dem Mars mit dem Namen und nachfolgend Catena bezeichnet, also in umgekehrter Reihenfolge.

Wie sind Kraterketten entstanden? Eine klare Antwort wird es nicht geben, da die Catenae auf unterschiedlicher Weise entstanden sind. Eine blausible Erklärung geht von einem Einschlag eines Kometen oder Asteroiden aus. Durch gravitative Wirkungen unter gleichzeitiger Einwirkung von Gezeitenkräften können Catenas durch Auseinanderbrechen eines Kometen bzw. Asteroiden entstehen (Jatan.scace). Vulkanische Aktivitäten können vermutlich ebenfalls Catenae erzeugen. Als der Komet Schuhmacher-Levy9 1993 in Jupiternähe zerbrach, bildete sich für eine kurze Zeit in der Jupiteratmosphäre ebenfalls eine Art Kraterkette. Es könnte der gleiche Mechanismus gewesen sein wie auf dem Mond. Kraterketten auf der Erde dürfte es wegen der starken Gravitation voraussichtlich nicht geben.

Eine weniger bedeutsame Erklärung für die Entstehung von Kraterketten auf dem Mond geht von röhrenförmigen vulkanischen Hohlräumen aus, die sich durch mehrere Einbrüche auf der Mondoberfläche gebildet haben.

Zur Beobachtung von Kraterketten ist ein Teleskop mit einer Öffnung von mindestens 15 cm erforderlich. Nur durch eine möglichst hohe Auflösung der Mondfotos kann man erst Kraterketten sicher erkennen. Einen wesentlichen Beitrag zum Erkennen und Verstehen der Kraterketten haben Beobachtungen während der Apollo-Missionen beigetragen und die Mondorbiter erkunden fortlaufend den Mond und erweitern unsere Kenntnisse über die Mondoberfläche.


Bisher habe ich drei Catenae mit C8 beobachtet und stelle diese nun vor. In einer speziellen Tabelle sind meine beobachteten Catenae erfasst, hierzu dieser Link: Tabelle Catenae.


Catena Abulfeda

Aufnahme von 2016-April-04 um 20:43 UT.
Die Catena Albufeda besteht aus über 20 Kratern und erstreckt sich auf eine Länge von 210 km. Entstanden ist sie durch vulkanische Aktivitäten. Vermutlich ersteckt sich unter dieser Kraterkette eine Lavaröhre, die teilweise eingestürzt ist. Dies erscheint erklärbar. Bei Einschlägen von einem zerbrochenen Himmelskörper sollten die Kleinkrater auf einer Linie angeordnet sein. Diese Kleinkrater sind aber versetzt und unterschiedlich groß.

Catena Albufeda

Catena Davy

Aufnahme von 2016-Januar-19 um 18:22 UT (Für die beiden Bildausschnitte von Catena Davy und Catena bei Müller diente die selbe Aufnahme dieser Mondregion).
Die Catena Davy entstand aus über 20 gleichzeitigen Einschlägen eines zerbrochenen Asteroiden oder Kometen. Die Größe der einzelnen Krater haben einen Durchmesser zwischen 1 bis 3,5 km und sind über eine Länge von über 47 km verteilt.

Catena Davy

Catena bei Müller

Aufnahme ebenfalls von 2016-Januar-19 um 18:22 UT,
Krater Müller ist nicht von der IAU definiert, deshalb ist auch die Bezeichnung Catena Müller nicht in der IAU-Tabelle aufgeführt. Die Catena bei Müller besteht aus Kratern, die durch Einschläge von Fragmenten eines Kometen oder Asteroiden entstanden sind. Die Kleinkrater angeordnet auf einer Linie beginnen am Nebenkrater A Müller in Richtung Nebenkrater G Ptolomeus.

Catena bei Müller

Karl-Heinz Bücke
2026-06-26